|
|
Warum
ein Exposé und wie sieht das überhaupt aus?
|
|
-
- Exposés
sind nicht einfach dazu da, dem Autor den letzten Nerv
zu rauben, ihn unendlich viel Zeit zu kosten oder ihn
einfach nur zu trietzen. Exposés, Konzepte und
Treatments dienen – im übertragenen Sinne - der
zwischenmenschlichen Kommunikation von Autor, Lektor
und Manuskript. Auch wenn Autor davon ausgeht, dass
Sinn und Zweck des zukünftigen Bestsellers durchaus
beim Lesen aus dem Text an sich hervorgeht, ist Lektor
doch froh, vorab einen groben Überblick über
das Manuskript zu erhalten. Es liegt also in der Natur
der Sache, dass sich ein gutes Exposé verkaufsfördernd
auswirkt und dem Autor damit mehr dient als ihn quält
...
Das
Exposé ist das wichtigste Mittel des Autors,
sein Manuskript an den Verlag zu bringen. Es ist der
Werbetext, das Aushängeschild, die Visitenkarte
des Autors. Ein schlechtes Exposé kann einen
Lektor durchaus dazu verleiten, das Manuskript ungelesen
zurückzuschicken – zu Recht. Wer lässt sich
gerne auf 500 Seiten und mehr ein, ohne zu wissen, wohin
diese vielen Seiten überhaupt führen werden?
-
Jedes Exposé folgt einer festgelegten Untergliederung.
Die einzelnen Punkte können selbstverständlich
variiert werden in der Reihenfolge, jedoch sollten sie
alle behandelt werden:
- Arbeitstitel:
- Genre:
Krimi,
Historischer Roman, Sachbuch, etc.;
- Umfang:
sollte
in Standard-Manuskriptseiten angegeben werden (30x60
Anschläge, doppelzeilig, 12Punkt-Schrift, am
besten Arial);
- Kurzinhalt:
ein
Absatz reicht – zu Vergleichen ist der Kurzinhalt
mit einem Klappentext, das Ende der Geschichte muss
hier nicht offenbart, die Handlung sollte kurz und
knackig umrissen werden;
- Inhalt:
Hier
darf sich der Autor austoben, allerdings innerhalb
eines logischen Rahmens. Die Einteilung sollte eine
klassische Fünfteilung sein: Anfang (Exposition),
1. Plot, Mittelteil mit Höhepunkten (2. Akt,
Konfrontation), 2. Plot, Ende (Ende);
- (Was
ist ein Plot? Plot (engl.) bedeutet wörtlich
übersetzt Handlung. Man nennt diesen Punkt in
der Geschichte auch Plot Point - den Punkt einer bestimmten,
alles verändernden Handlung. Syd Field sagt dazu
in seinem Buch "Drehbuchschreiben für Fernsehen
und Film"/siehe Buchtipps: "Ein Plot Point ist ein
Vorfall oder ein Ereignis, das in die Geschichte eingreift
und sie in eine andere Richtung lenkt. Bei Drehbüchern
taucht dieser erste Plot ca. auf S. 27 - 29 auf -
immer! - in den meisten belletristischen Genres kommt
der erste Plot nach ca. 30 bis 50 Seiten, neben weiteren
kleinen Plots im 2. Akt, folgt - wie im Drehbuch -
der zweite grosse Plot Point kurz vor Ende, um die
Handlung erneut anzutreiben, ihr eine überraschende
Wende zu geben. Beim Drehbuch ca. auf S. 87 - 90.
Hinter dem Plot Point steht also der Sinn, die Handlung
anzutreiben.
- Ein
Subplot nennt man den Plot im 2. Handlungsstrang,
im Nebenstrang der eigentlichen Geschichte. Diesen
soll man auf alle Fälle auch erwähnen -
sofern es einen 2. Handlungsstrang gibt.)
- Figurenbiographien:
Aufgeteilt
in Hauptfiguren, Nebenfiguren und Randfiguren. Wer
sind die Protagonisten der Geschichte, wer ihre Gegenspieler,
wer die Platzhalter und Randfiguren? Was treibt die
Figuren an? Wie sehen sie aus, was wollen sie und
wie erreichen sie es? Sprich: hierher gehören
ausgearbeitete Lebensläufe der Figuren. Selbstverständlich
braucht es für Neben- und Randfiguren keine so
detaillierten Angaben wie zu den Hauptfiguren. Damit
es übersichtlich bleibt, sollte auf alle Fälle
die Reihenfolge bei den Hauptfiguren beginnen, ebenso
sollten die Nebenfiguren als auch die Randfiguren
gesondert aufgeführt werden:
- HAUPTFIGUREN
Johannes M.: 30
Jahre, gross, blond, mit dem Gesicht eines Engels, er
hat ...
- Lea
K.: 20 Jahre, ...
- NEBENFIGUREN
- Maria
K.: 60
Jahre, Leas Mutter, sie ...etc.
- Zur
Geschichte: Hintergrundinformationen,
Recherche (bei einem Krimi könnte hier z.B. in
kurzen Sätzen erklärt werden, wie der Autor
die Polizeiarbeit recherchiert hat, bei einem historischen
Roman ist es interessant zu erfahren, ob die Figuren
tatsächlich gelebt haben, was über sie recherchiert
werden konnte, etc.;)
- Motivation:
warum
hat man dieses Buch geschrieben und kein anderes?
Wie ist man auf die Idee zum Roman gekommen? War es
ein Interview im Fernsehen, ein Zeitungsartikel, ein
Erlebnis in der Kindheit? Was hat den Ausschlag gegeben,
dieses Buch zu schreiben. Welche Verbindung besteht
zwischen Autor und
- Geschichte?
- Autor:
Nicht die ganze Lebensgeschichte beginnend bei der
Geburt schreiben. Die Angaben zum Autor sollten sachlich
knapp gehalten werden und sich nur auf den beruflichen
Werdegang beschränken, mit Ausnahme des Geburtsjahres,
das angegeben werden sollte. Wer bereits viele Veröffentlichungen
in Anthologien aufzählen kann, sollte sich hier
auf ausgewählte Stories beschränken. Es
kann dem Begleitschreiben durchaus noch ein Extrablatt
mit Veröffentlichungen beigelegt werden. Im Exposé
aber sollte nicht ein "Rattenschwanz" mit Anthologiebeiträgen
folgen.
Selbstverständlich
sollte auch für Anthologien und Lyrikbände
ein Exposé erstellt werden. Dabei muss nicht
für jede Kurzgeschichte und jedes Gedicht eine
eigene Inhaltsangabe geschrieben werden, aber die Punkte
Genre, Autor, Motivation, Länge, Zur Geschichte
(warum wurde diese Anthologie zusammengestellt und keine
andere, z.B.) bleiben erhalten.
- Soweit
zum Inhalt eines Exposés. Kommen wir nun zur
Länge: vielfach wird die Vermutung geäussert,
ein Exposé dürfte den Umfang einer Seite
nicht überschreiten. Hier kann ich
- nur
aus Erfahrung berichten: selbst ein klassisches Exposé
umfasst bis zu 3 Seiten, manchmal auch 5. Allerdings
hat es sich mittlerweile eingebürgert, Exposés
nicht mehr künstlich knapp zu halten, also auf
einer Seite – diese eine Seite ist bereits mit der
Inhaltsangabe voll ausgelastet.
- Ein
Seitenumfang von 5 – 8 Seiten ist legitim und hat
sich mittlerweile auch durchgesetzt. Kürzer sollte
ein Exposé nur in Ausnahmefällen werden
oder wenn dies ausdrücklich der Wunsch des Lektorates
ist – wie z.B. bei www.romansuche.de – hier fordern
die Redakteure explizit ein einseitiges Exposé.
Ansonsten gilt – je ausführlicher, desto besser.
- Der
Begriff Treatment hingegen kommt aus der Filmbranche
und bezeichnet eigentlich ein Konzept, das bereits
Textauszüge, Dialogfolgen, etc. beinhaltet und
ist demzufolge auch länger – ca. 10 – 20 Seiten
umfassend.
- Um
nun keine Begriffsverwirrung aufkommen zu lassen,
die sich vor allem an der Länge eines Exposés
festmacht, kann man einfach zum Überbegriff "Konzept"
wechseln, denn wichtig ist nicht, wie man seinen Werbetext
nennt, wichtig und entscheidend ist allein, was drinsteht
.....
- Ein
Exposé, das die oben genanntenPunkte beinhaltet,
ausführlich das Projekt vorstellt, aber nicht
in unwichtige Details abschweift, ordentlich gegliedert
ist und Sinn und Zweck des Buches genau definiert,
wird auf alle Fälle den Lektor begeistern und
dies ist bekanntlich der erste Schritt zum Verlagsvertrag.
- Literaturhinweise
(siehe Buchtipps):
- Frey,
Wie man einen verdammt guten Roman schreibt
Fritz Gesing, Kreativ schreiben
zurück
zum Menuepunkt "Handwerk"
|
|
|