Happy End

eine Überlebensfrage



 
 
 

 

Für manche Kritiker bedeutet Happyend so viel wie Kitsch, und sie siedeln diesen Begriff im Reich der Märchen an. Dabei vergessen sie, dass auch sie selbst immer wieder bemüht sind, ihre eigenen Lebensgeschichten zu einem guten Ende zu führen.
Denn das Happyend ist ein Grundbedürfnis der Menschen.
Wir übersetzen den Begriff Happyend zumeist mit 'glückliches Ende' - richtiger wäre aber 'geglücktes Ende'. Wenn wir mit einem Problem konfrontiert werden, müssen wir es lösen, das gehört zum menschlichen Überlebensdrang. In diesem Sinne ist auch das Bedürfnis der Leser zu verstehen, nach zwei-, vier- oder gar sechshundert Seiten, auf denen sie mit den Protagonisten gehadert und gelitten haben, sich entspannt zurückzulehnen und zu sagen: Zum Glück ist alles noch einmal gut gegangen. Ein Ende dieser Art: Sie küssten sich und ahnten noch nicht, dass sie schon in fünf Jahren wieder geschieden sein werden! würde vielleicht den Tatsachen entsprechen, wäre aber unbefriedigend.

Orientieren wir uns am Beispiel der Märchen. Wenn Märchenhelden die Aufgaben lösen, die ihnen das Schicksal stellt, werden sie zum Schluss meist mit der Liebe belohnt. Sie bekommen den Prinzen oder die Prinzessin und dazu noch ein Königreich, in dem sie gemeinsam regieren können.
"Ach, im Märchen (und in Liebesromanen) geht doch immer alles gut!" sagen viele Menschen herablassend und belächeln das, ohne zu verstehen, dass Märchenbilder Metaphern für Lebenssituationen und -stationen sind. Und sie vergessen, dass auch sie in ihrem eigenen Leben nichts Anderes anstreben, als geliebt zu werden und in ihrer privaten Welt wenigstens für eine kleine Weile 'König' oder 'Königin' zu sein.
Natürlich können wir nicht immer nur glücklich und zufrieden sein. Haben wir eine Hürde genommen, ist das nächste Hindernis nicht selten schon wieder in Sicht. Auch in der Partnerschaft wird es immer wieder Probleme geben, und immer wieder müssen wir einen Weg finden, Entfremdungsphasen durchzustehen und unsere Liebes- und Lebensgeschichte zu einem 'geglückten Ende' zu bringen. So ist auch das Happyend im Liebesroman zu verstehen: Haben sich zwei nach vielen Irrwegen endlich gefunden, ist das kein abschließender Zustand, sondern der Abschluss eines Prozesses und für uns Leser der Abschluss dieser Geschichte.
Klappen wir das Buch nach einem Happyend zu, denken wir: "Schön, die beiden haben es geschafft!" Und vielleicht schwingt unterbewusst die Hoffnung mit: Wenn es denen gelungen ist, dann können auch wir unsere Probleme zu einem 'geglückten Ende' bringen.

Angeline Bauer, Autorin des Ratgebers "Liebesromane schreiben" (Autorenhaus Verlag, s.a. die Federkiel-Rezension zum Buch) veröffentlicht unter dem Namen Friederike Costa erfolgreich Liebesromane (darunter die Titel: "Lügen, lästern, lieben", "Zu viel Glück für eine Nacht", "Vier in Südfrankreich", etc.). Mehr zur Autorin

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