"Wie
man Kinderbücher schreibt? - Man muss nur einfach
selbst ein Kind gewesen sein. Und sich daran erinnern
wie es war." (Astrid
Lindgren)
Niemand
könnte es treffender formulieren als Astrid Lindgren
und den Kern der Sache mit wenigen Worten genauer
umreißen als sie. Kinderbücher zu schreiben
bedeutet in erster Linie in die vergangene Welt der
Kindheit einzutauchen. Die bunten Gedanken, die aufregenden
Kleinigkeiten, aber auch die manchmal beängstigenden
Dinge der Alltäglichkeit wieder aufleben zu lassen.
Sie in der Phantasie neu zu erleben und zu Papier
zu bringen. Wer sich nicht mehr daran erinnern kann,
wie es war, als Schmetterlinge und Marienkäfer
noch stundenlang beobachtet werden konnten; nicht
mehr weiß, wie man sich fühlte, als der
erste Schultag näher rückte oder nicht mehr
zurückfindet in die aufregenden Stunden vor dem
ersten Kinobesuch - der sollte keinen Versuch starten,
ein Kinderbuch zu schreiben. Eigentlich sollten erinnerungslose
Menschen dieser Art überhaupt kein Buch schreiben
wollen, aber Kinderbücher verlangen dem Autor
noch mehr Phantasie und noch viel mehr Erinnerungsvermögen
ab als die Erwachsenenliteratur, so dass vor allem
Kinderbücher nach AutorInnen "suchen",
die auf einen enormen Fundus an Erinnerungen zurückgreifen
können (und die nicht zuletzt eine kindliche
Neugier bewahrt haben).
Aufgeräumt
mit einem Vorurteil
Ein kurzer Einschub sei an dieser Stelle erlaubt.
Wenn Sie auch selbst keine Kinder "haben"
sollten, dann dürfen Sie dennoch Kinderbücher
schreiben. Aber seien Sie gewarnt: manchmal werden
Stimmen aus den Reihen der bereits veröffentlichten
KinderbuchautorInnen laut, dass nur Kinderbücher
schreiben kann, wer auch selbst Kinder "hat".
KrimiautorInnen bspw. können hier skeptisch die
Brauen hochziehen (nur in äußerst seltenen
Ausnahmefällen schreiben Mörder einen Krimi
im Bau
). Und AutorInnen von historischen Romanen,
SF oder Fantasy ringt dieses Vorurteil nur ein müdes
Lächeln ab. Keiner von ihnen hat eine Zeitmaschine,
Außerirdische oder Zwerge und Gnomen im Keller
Und dennoch schreiben diese AutorInnen in ihrem
Genre.
Warum sollten also Menschen, die kinderlos sind, keine
Kinderbücher schreiben? Kind waren sie - hoffentlich
- selbst einmal
Altersgruppe
= Zielgruppe?
Nun, aber auch wer sich gut an Kindheitstage entsinnen
kann, darf nicht am Formalen scheitern. Und das Genre
"Kinderbuch" ist hier noch strenger als
andere Genres. Die Altersgruppen sind klar definiert,
Ausreißer gibt es selten. Wer also glaubt, Kinderbücher
zu schreiben wäre einfach, weil es "nur"
großer Phantasie und vieler Erinnerungen bedarf,
der irrt - und zwar gewaltig. Viele JungautorInnen
weigern sich stur, an die Zielgruppe zu denken, für
die sie schreiben - einer der Hauptgründe, warum
diese JungautorInnen scheitern und nie zu einem Verlagsvertrag
gelangen. Wer nicht weiß, für wen er schreibt,
der schreibt vollkommen ins Leere. Und nicht zuletzt
bei Kinderbuchtexten gilt diese simple Regel.
Bevor
Sie also einen Kinderbuchtext entwerfen wollen, müssen
Sie sich über die Altersgruppe im klaren sein,
für die Sie schreiben wollen, denn diese ist
entscheidend für die Länge des Textes, die
Sprache, die Handlung, etc.
Hier eine grobe Auflistung zur Übersicht:
Für die Kleinsten - 0-2
Pappbilderbücher - 2-3
Bilderbücher - 4-5
Erstleser - 5-7
Schulkinder 8-10
Diese
strikte Unterteilung ist deshalb so wichtig, weil
sich die Erfahrungswelten der Kinder und ihre täglichen
Entdeckungen der ganz normalen Umgebung schnell ändern
- und damit auch ihr Interesse. Ein zweijähriges
Kind lauscht gespannt, wenn ein Kinderbuchtext davon
erzählt, wie ein kleiner Bär Zähne
putzen lernt, aber es wird keinerlei Interesse an
einer Schulgeschichte haben. Umgekehrt verhält
es sich genauso. Schulanfänger würden bei
einer "Schnuller-weg-Geschichte" schlicht
die Nase rümpfen. Zu Recht.
Die
Geschichten, die Sie Kindern erzählen wollen,
müssen sich also unbedingt im Rahmen der Altersgruppen
bewegen. Bevor Sie zu schreiben beginnen - immer erst
die Altersgruppe definieren.
Eine
weitere Schwierigkeit tut sich jedoch noch auf: die
Altersgruppe an die sich der Text richtet, ist zwar
streng genommen auch die Zielgruppe, für die
man schreibt. Aber es muss auch immer eine andere
Zielgruppe im Auge behalten werden: die Eltern, Großeltern,
Tanten und Onkels, etc. - kurz: die Erwachsenen, die
die Bücher für die Kinder kaufen. (Selten
tragen kleine Steppkes ihr Taschengeld direkt in die
Buchhandlung
). Also muss man auch dieser Zielgruppe
gerecht werden. Denken Sie daran, wenn Sie eine possierliche
Kakerlake als Protagonisten wählen wollen
Wobei
man allerdings entschärfend hinzufügen muss:
die Empfindlichkeiten haben sich etwas geändert.
Was vor wenigen Jahren noch als extrem ekelig empfunden
wurde, kann heute schon normal sein. Klokröten
und Maulwürfe, denen jemand einen "Haufen"
auf den Kopf gesetzt hat, tauchen mittlerweile durchaus
auf - aber sie werden mit Bedacht gewählt und
eingesetzt. - Und nicht jeder Verlag und nicht jeder
Erwachsene findet Gefallen daran. (Auch wenn die kleine
Klokröte hinreißend komisch ist
)
Es lässt sich also nicht pauschal sagen: Kakerlaken
sind tabu, kleine Bären nicht (s.a. Abschnitt:
Sprechende Tiere sind tabu). Dennoch wächst die
Skepsis der LektorInnen, wenn Sie Protagonisten wählen,
die nicht so "gefällig" sind. Und nicht
zuletzt sollten Sie auch an die Eltern, Großeltern
oder Tanten und Onkels denken, die beim Wort "Kakerlake"
bspw. eher an den Kauf von Insektenvertilgungsmitteln
denken als an den Kauf von Kinderbüchern für
die lieben Kleinen
Die
Länge der Texte
Haben Sie die Altersgruppe definiert, dann haben Sie
bereits eine weitere Hürde genommen, die da lautet:
die Länge des Textes bestimmen. Naturgemäß
nimmt der Bildanteil bei Kinderbüchern mit zunehmenden
Alter der LeserInnen ab. Und damit natürlich
die Länge des Textes zu.
Auch
hier wieder eine große Unterteilung:
Für die Kleinsten - nicht mehr als 2.000 Zeichen
Pappbilderbücher - Obergrenze: 5.600 Zeichen
Bilderbücher - Obergrenze: 10.000 Zeichen
Erstleser - keine Obergrenze
Schulkinder - keine Obergrenze
Zur
Übersicht: wir haben Zeichenzahlen angegeben,
da es einfacher ist, die Zeichenzahl (inklusive Leerzeichen)
von Word zählen zu lassen, als Manuskriptseiten
(30x60), deren Berechnung von jeher und immer wieder
JungautorInnen in den schieren Wahnsinn treiben will.
Und oft auch tut
Komprimieren
oder die Frage: wie fasse ich mich kurz?
Nun haben Sie also die Zeichenzahlen gesehen und wahrscheinlich
mit Schrecken festgestellt: das ist aber mächtig
kurz. Ja, und in der Kürze liegt eben nicht nur
die Würze, sondern teilweise auch das Geheimnis
erfolgreicher Kinderbücher.
Ellenlange
Beschreibungen von Kleidung, Aussehen, Umgebung und
Co gehören bspw. nicht in Kinderbuchtexte. Das
langweilt - nicht nur die kleinen Leser, sondern meist
auch die, die die Texte vorlesen. Sie würden
also doppelt in Ungnade fallen - sofern der Text überhaupt
veröffentlicht wird.
Nehmen Sie als Beispiel ein Buch von Thomas Brezina
zur Hand. Er langweilt seine zahlreichen Fans nie
durch zu viel "Drumherum", sondern treibt
sie regelrecht von einem spannenden Moment zum nächsten.
Verschnaufpausen gibt es da nur relativ selten.
Auch
müssen Sie nicht fortlaufend genau beschreiben,
wie ihre Protagonisten von A nach B kommen, welche
Straße sie wählen, etc. - außer natürlich,
Sie schreiben einen Kinderkrimi und es ist wichtig,
genau diese Straße zu erwähnen. Aber ansonsten
dürfen Sie ruhig kurz und knapp zusammenfassen,
was sie für Erwachsene möglicherweise viel
länger erzählen würden.
Bei
Bilderbüchern wird es noch schwieriger, eine
spannende Geschichte in wenigen Worten zu erzählen.
Aber dazu mehr im Abschnitt "Bilderbücher".
Die
Handlung
Was kurz und knapp erzählt wird, muss bzw. darf
deshalb aber noch lange nicht inhaltslos sein. Denn
der Handlungsstrang muss sehr komprimiert und dicht
sein, darf nicht abschweifen, auf Nebenpfade führen,
etc. Reflektionen dürfen natürlich nicht
fehlen, ansonsten bekommen die Figuren keine Tiefe
- aber diese Reflektionen sind kurz zu halten, können
sich mitunter auf einen einzigen Satz beschränken.
Je
jünger Ihre Leser, desto wichtiger ist: eine
Geschichte = ein Handlungsstrang. Erst ab der Altersgruppe
"Ab 7" können Sie beginnen, möglicherweise
zwei Handlungen miteinander zu verknüpfen, aber
dies ist nur bedingt empfehlenswert.
Wenn Sie eine Serie schreiben, können Sie natürlich
einen weiteren Handlungsstrang einflechten, der ganz
"nebenher" läuft und den Hauptstrang
nicht zu sehr verwickelt, sondern ihn unterstützt.
Denken Sie hier z.B. an "Harry Potter".
Ein Nebenstrang ist, herauszufinden, wer Harrys Eltern
ermordet hat. Dieser "Nebenschauplatz" ist
in den ersten Bänden ein ständiger Nebenstrang,
der Spannung aufrecht hält. Ein Rätsel,
das es zu lösen gilt, das aber eng an die Hauptgeschichte
geknüpft ist bzw. sogar Ausgangspunkt der Hauptgeschichte
ist.
Die
beste Methode ist und bleibt: ein Handlungsstrang,
der eine dichte, komprimierte und damit spannende
Geschichte erzählt.
Megamäßig
cool - die Sprache in Kinderbüchern
Gleich vorweg: Halten Sie sich zurück mit megamäßig
coolen Sprüchen. Denn, was megamäßig
cool ist, bestimmen die Kinder immer noch selbst und
vor allen Dingen: sie definieren es beinahe täglich
neu. Was also bei Drucklegung Ihres Kinderbuches megamäßig
cool ist, kann bei Erscheinen des Buches bereits tiefe
Abneigung in Ihren Lesern hervorrufen, die Sie als
"altbacken" bis "peinlich" einstufen
könnten
Was
Kindern allerdings sehr gut gefällt (u. auch
Erwachsenen) sind Wortschöpfungen, Wortverdreher
- kurz: das Spiel mit der Sprache, sofern es lustig
ist.
Sprechende
Tiere sind tabu?
Oder anders ausgedrückt: welche Themen sind gefragt?
Diese Frage beschäftigt AutorInnen naturgemäß
immer und sie lässt sich - ebenso naturgemäß
- nicht pauschal beantworten. Während Ihnen ein/e
LektorIn mit Inbrunst bestätigen wird, dass "sprechende
Tiere vollkommen aus der Mode" sind, wird sich
möglicherweise der/die nächste LektorIn
genau darauf stürzen.
Es
gibt eine Faustregel: suchen Sie nicht nach Modethemen.
Bis das Buch erscheint, ist bereits die übernächste
Modewelle am heranrollen
Was
aber gerade im Bereich "Kinderbuch" keine
wirkliche Tragödie ist. Denn die Welt der Kinder
ist im Grunde ohnehin ein großes Biotop mit
einer Fülle an Dingen, die es zu erforschen gibt
und die keinen Modeerscheinungen unterliegen und sich
statt dessen an ihrem Alter definieren. Beispiele:
- Freundschaften
- Schule
- Ängste (allein gelassen werden; Versagen in
der Schule; Angst vor dem Kindergarten; etc.)
- Detektiv spielen
- Klubs, Geheimbünde gründen
- Tiere (jaja)
- Hobbies wie Fußball und Co
Was
wird es? Ein Mädchen oder ein Junge?
Eine Frage, die streng genommen zur Definition der
Zielgruppe gehört, aber eben auch an die Frage
der Interessen der zukünftigen Leser anknüpft.
Anders ausgedrückt: Fußballgeschichten
werden mehr Fans bei den Jungs finden und Pferdegeschichten
entzücken meist Mädchenherzen. Nun sollte
man meinen, dass Klischee dieser Art spätestens
im Zuge der Frauenbewegung aus der literarischen Welt
geschafft worden wären, aber die kindlichen Leser
belehren uns da immer wieder aufs Neue eines Besseren:
Jungs lesen eben nicht so gerne Pferdegeschichten.
Wichtig
ist nur: wenn Sie eine Pferdegeschichte schreiben,
dann bleiben Sie auch in diesem "Ressort"
und versuchen Sie nicht, auszubrechen und Ihrer Pferdenärrin
im Buch gleichzeitig eine Vorliebe für Formel1
anzudichten und sich dann in Internas über den
Motor-Rennsport zu ergehen. Ihre Leserinnen werden
es Ihnen danken.
Die
Moral
Auch wenn wir gerne und oft von der "sinkenden
Moral" unserer modernen Gesellschaft sprechen,
so sollte der moralisch erhobene Zeigefinger doch
erst gar nicht zum Einsatz kommen in Kinderbuchtexten.
Kindliche Leser haben einen sechsten Sinn für
Moral, die ihnen untergejubelt werden soll und reagieren
sehr ungnädig darauf. Auch dies zu Recht.
Und selbst bei den meisten Verlagen sucht man mittlerweile
keine moralisierenden Texte mehr, die den kindlichen
Leser auf den rechten Weg bringen sollen. Wahrscheinlich
hat sich herumgesprochen, dass eben diese kindlichen
Leser kein Interesse an Geschichten solcher Art haben.
Witz, Esprit, Spannung - das ist gefragt. Geben Sie
es Ihren LeserInnen statt sie mit erhobenem Zeigefinger
wieder an den Gameboy zu treiben
Illustrationen
Ein heikles Thema, das die Empfindlichkeit mancher
Künstler treffen wird. Aber: wenn Sie keine Ausbildung
haben, kein professioneller Illustrator sind oder
nur eine bedingte Begabung im Illustrieren vorweisen
können (seien Sie ehrlich und kritisch zu sich
selbst!), - dann lassen Sie auf alle Fälle die
Finger von Illustrationen, die in Heimarbeit hergestellt
wurden. Die Chancen, einen Verlag für Ihr Manuskript
zu finden sinken mit beigelegten, unprofessionellen
Illustrationen ins Bodenlose, denn meist sind mitgeschickte
Bilder das k.o. in der ersten Runde für das ganze
Manuskript.
Zudem greifen Verlage gerne auf Hausillustratoren
zurück, um Kinderbuchtexte zu bebildern und lassen
sich auf diesem Gebiet ungern von AutorInnen reinreden.
Und
natürlich gibt es Ausnahmen:
1. Sie sind bereits etablierter Hausillustrator und
wollen nun auch eigene Texte schreiben (wobei Sie
hier bedenken müssten: können Sie wirklich
so hinreißend schreiben wie sie zeichnen? Auch
hier kritisch und ehrlich sein
Aber einem etablierten
Hausillustrator wird bei Bedarf der od. die LektorIn
dann schonend die vielleicht ernüchternde Wahrheit
nahe bringen.).
2. Sie sind ein Multitalent wie bspw. Cornelia Funke
(s.dazu Pkt. 1);
3. Janosch hat Ihren Text illustriert. (Eher unwahrscheinlich
- er schreibt schließlich selbst
u. hegt
Gerüchten zufolge eine tiefe Abneigung gegen
Teamwork)
Wie
bereits gesagt: am besten ohne Bebilderung.
Die
Illustrationen werden mitgeschickt - basta
Falls Sie also doch Illustrationen mitschicken wollen
(wir nehmen der Einfachheit halber an, Sie sind ausgebildete/r
IllustratorIn) - dann stellt sich oft die Frage nach
dem Format der einzureichenden Bilder.
Einfache Antwort:
- Als Farbkopien schicken. Niemals die Originale versenden.
(Bedenken Sie: die Bilder müssten erst zurückgeschickt
werden, damit Sie sie gegebenenfalls an einen anderen
Verlag weiterschicken können. Was, wenn die Bilder
auf dem Postweg od. im Verlag verbummelt werden? Und:
nur selten schicken Verlage das eingereichte Material
"zur weiteren Verwendung" = Absage - wieder
zurück)
- Dazu am besten auch auf CD gespeichert - im Bildformat
jpg. (Vorsicht: die wenigsten Verlage arbeiten noch
mit Disketten!)
Und
bitte notieren: nicht auf die verwegene Idee kommen,
Text plus Bilder ungefragt an einen Verlag zu mailen!
Denn fragen Sie sich selbst: wer öffnet in Zeiten
von Spam, Würmern, Viren und anderem virtuellen
Ungeziefer angehängte Dateien von Unbekannten?
Lektoren zumindest tun es relativ selten und Ihre
Mail würde nebst Text und Bildern unbesehen gelöscht
werden. Mails also nur nach Absprache!
Größe
der Bilder?
Die Verlagsprogramme haben eigene Standardgrößen.
Als Neuling sollten Sie nicht versuchen, die Verlage
von anderen Größen zu überzeugen.
Gehen Sie statt dessen erneut - diesmal mit Maßband
oder Lineal bewaffnet - in die Buchhandlung und messen
Sie die Bilder in den Büchern der von Ihnen ausgewählten
Verlage aus.
Ein
Exposé?
Ein komplettes Exposé für einen Pappbilderbuchtext
zu verfassen, wäre zu viel des Guten. Das Exposé
könnte länger werden als der Text an sich.
Bei Büchern für die Kleinsten, Pappbilderbüchern
und Bilderbüchern reicht also ein Deckblatt mit
folgenden Angaben:
- Titel
- Name u. Anschrift des Autors
- Zeichenzahl inkl. Leerzeichen
- Kurzinhalt
Erst bei Kinderromanen sollten Sie ein Exposé
verfassen, das neben den o.g. Angaben auch eine Inhaltsangabe,
Charakterisierung der Figuren, etc., umfasst. (s.d.
Federkiel-Artikel "Exposé").
Kompletten
Text oder nur eine Textprobe versenden?
Es kommt darauf an. Haben Sie eine Bilderbuchgeschichte
geschrieben, dann können Sie selbstverständlich
den kompletten Text, der hoffentlich nicht mehr als
6-7 Manuskriptseiten umfasst, versenden.
Bei
Kurzgeschichtensammlungen zwei bis drei ausgewählte
Geschichten plus Kurzinhalt der weiteren Geschichten
und Exposé. Auch bei Kindergedichten lediglich
einige ausgewählte Gedichte einsenden.
Bei
längeren Texten bzw. Romanen für Kinder
gilt, was auch im Erwachsenenbuchbereich gültig
ist: ca. 30 Seiten Textprobe plus ausführlichem
Exposé. Die Verlage werden bei Interesse das
gesamte Manuskript anfordern.
Den
richtigen Verlag finden
Immer wieder und auch bei Kinderbuchtexten kommen
die gleichen Antworten:
- gehen Sie in die Buchhandlung od. Bibliothek u.
durchforsten Sie die angebotenen Bücher bzw.
Programme der Verlage; Vergleichen Sie: in welches
Verlagsprogramm würde mein Text passen?
Bilderbücher
Denken
Sie in Bildern
Wenn Sie eine Bilderbuchgeschichte schreiben, müssen
Sie in Bildern denken. Denn ein wichtiges Kriterium
für Bilderbücher (ebenso Pappbilderbücher)
ist: die Bebilderung soll zeigen, was im Text nicht
zu lesen ist. Das heißt z.B. keine langen Beschreibungen
von Kleidung, Aussehen oder Einrichtungen. Das übernimmt
das Bild für Sie. Sie als Texter hingegen müssen
strikt das erzählen, was im Bild nicht eingefangen
werden kann od. was eine Illustration nur bedingt
wiedergeben kann. Also Gespräche, Handlungen,
etc.
Dazu
kommt: die meisten Bilderbücher haben eine klare
Vorgabe was die Seitenzahl betrifft. Sehen Sie also
vorher einige Bilderbücher durch und zählen
Sie die Seiten, auf denen Text zu lesen ist.
Seitenzahlenangaben
als Beispiel? ((Ja, würde ich schon sagen - nachdem
Du vorher so ausführlich warst, wird das jetzt
sicher erwartet))
Bilderbuchtexte
gehen meist in dieser Form an die IllustratorInnen
weiter:
Beispiel:
S.
1 (Cover)
S.
2/3
(Bild: Die kleine Kakerlake sitzt am Küchentisch,
hat ein kariertes Lätzchen umgebunden und wartet
auf das Essen)
Text:
S.
4/5
(Bild: Die kleine Kakerlake ist fast nicht zu sehen
in einem Berg Reis. Nur ihre Fühler ragen keck
heraus)
Text:
Sie
als AutorIn haben also bei den meisten Kinderbuchverlagen
durchaus in der Hand, was auf den Bildern zu sehen
sein wird - denn schließlich ist es Ihre Aufgabe,
den Text so zu schreiben, dass er nicht nur mit den
Bildern harmoniert, sondern auch, dass eine Art Wechselwirkung
zwischen Bild und Text entsteht.
Aber:
wenn Sie absoluter Neuling sind, dann sollten Sie
Ihre Geschichte nur als Beispiel bzw. Ausnahme bereits
mit eingefügten Bildvorstellungen einsenden.
Pappbilderbücher
sind keine Bilderbücher?
Natürlich sind sie es. Der feine, aber entscheidende
Unterschied liegt in der anvisierten Altersgruppe
(s.a. unsere Unterteilung am Anfang des Artikels).
Und damit auch in der Länge des Textes bzw. in
der Art der Geschichten. In Pappbilderbüchern
werden einfachste Geschichten ohne viele Schnörkel
erzählt - denn die Leser bzw. Zuhörer sind
sehr jung und können komplizierte und verstrickte
Handlungen nicht nachvollziehen.
Was
interessiert die kleinsten Leser?
Das Interesse richtet sich auch bei den ganz Kleinen
an der täglichen Erlebniswelt aus. Während
Schulanfänger natürlich bereits ein Erleben
haben, das auch nach außen gerichtet ist, sind
die kleinen Geschwister mehr an grundlegenden Problemen
interessiert. Beispiele:
- Wie werde ich meinen Schnuller los (- auch wenn
ich gar nicht will)?
- Wie denn? Ich muss das Töpfchen benutzen?
- Warum träume ich?
- Wer ist das Christkind? Der Weihnachtsmann? Etc.
- Mein Zimmer aufräumen? Nein, lieber helfe ich
Mama beim Spülen und Einseifen der Böden
- Ich könnte vor Wut platzen. Mama meint, das
wäre Trotz
- Wer lebt auf einem Bauernhof? Was passiert im Zoo?
Etc.
Natürlich
gibt es noch sehr viel mehr, das die kleinsten Leser
beschäftigt. Aber Sie sehen schon - die Themen
sind sehr anders als die, die Erstleser oder noch
ältere Kinder beschäftigt.
Abschließendes
Agenturen
für Kinderbuchtexte
Hier wird die Luft dünn - denn die meisten Agenturen
scheuen Kinderbuchtexte wie der Teufel das Weihwasser.
Aus einem - für Agenturen - guten Grund: zu wenig
Profit bei viel Aufwand.
Und
die wenigen Agenturen, die Kinderbuchtexte aufnehmen,
tun dies aus wenigen Gründen:
- die Texte stammen von etablierten KinderbuchautorInnen
- die Texte stammen von etablierten AutorInnen, die
auch in anderen Genres schreiben
Als
Beispiele: Anke Vogel, Michael Gaeb, Alexander Simon,
Silke Weniger;
Wie
wende ich mich an die Verlage?
Auch nicht anders als mit anderen Texten. Mit anderen
Worten: Sie können hierzu die Federkiel-Artikel:
- Wie wende ich mich
an einen Verlag?
- Das Begleitschreiben
- Was tun, wenn das
Manuskript auf Reisen ist?
nachlesen.
Viele
Absagen
Abschließend noch etwas Ernüchterndes -
aber hoffentlich nicht Entmutigendes. Kinderbücher
zu schreiben gehört zu den schwierigsten Arbeiten
eines Autorendaseins - und wird von Unwissenden meist
nur als niedliche Beschäftigung betrachtet. Was
zur Folge hat, dass wahrscheinlich jede zweite Mutter
und jeder dritte Vater zur Feder greift, um das, was
den lieben Kleinen zu Hause allabendlich von der Bettkante
aus erzählt wird, auch für ein breiteres
Publikum festzuhalten. Mit fatalen Folgen: die Kinderbuchlektorate
werden noch mehr überschwemmt als die Lektorate
anderer Genres. Die Wartezeiten auf Antwort sind dementsprechend
lang - und meist kommen Absagen.
In
den Kinderbuchmarkt drängen also noch viel mehr
Hobbyautoren, Möchtegern-Autoren, Autoren mit
Profilneurosen und immenser Selbstüberschätzung,
etc. als in andere Verlags"ecken" (nur getoppt
von Autobiographien). Wer ernsthaft schreibt und sich
Mühe gibt, professionell aufzutreten - geht meist
trotzdem unter.
Aber:
wenn Sie sich an formale Richtlinien halten, dann
könnten Sie einem aufmerksamen Lektor durchaus
wie ein Licht am Horizont erscheinen. (Wahlweise wie
ein heller Schein hinter dem Manuskriptstapel).