Eines
gleich vorweg: mit der Recherche steht und fällt
das Gelingen eines Buches. Denn die Recherche beinhaltet
auch die Figuren, die Struktur und den Plot eines
Romanes, einer Erzählung, einer Novelle, schlicht,
jeder Literaturgattung. Wer zum Beispiel nicht genügend
über die eigenen Figuren recherchiert, kennt
diese nicht und kann nur laue Plots und eine lasche
Struktur aufbauen.
Demzufolge
gehört zu den ersten Grundrecherchen, die Biographien
der Figuren zu erorieren. Wann sind sie geboren, woher
kommen sie, welche Vorlieben und Abneigungen haben
sie, was sind ihre Laster und welche ihre Tugenden?
(Siehe dazu auch den Artikel im Autorenforum zur Figurenkonstruktion)
Bereits aus dieser Grundrecherche ergeben sich die
ersten Strukturen des zu schreibenden Werkes beinahe
wie von selbst.
Doch Recherche bedeutet selbstverständlich noch
sehr viel mehr. Wer im Genre „historischer Roman“
tätig ist, wird wie von selbst die Recherche
integrieren. Der Gedanke, über eine andere Epoche
zu schreiben, ohne genauestens Bescheid darüber
zu wissen, wäre doch sehr dreist bis verwegen
und würde spätestens beim Leser auf völliges
Unverständnis stossen, im Sinne von: „wie langweilig“.
Das Lokalkolorit wurde in den letzten Jahren immer
wichtiger. Bestseller im Bereich „Historischer Roman“
wurden nur noch Bücher, die neben schillernden
Figuren über fundierte Sachkenntnis verfügten.
Hier
ist auch der große Stolperstein der Recherche
zu nennen: nicht alles, was man mühevoll und
oftmals in monatelanger Arbeit recherchiert hat, muss
zwangsläufig auch in den Roman, denn dann würde
aus dem Roman sehr schnell ein Sachbuch. Die Kunst
liegt darin, Sachkenntnis so einzubauen, dass sie
im Umfeld der Figuren wirkt und der Autor nicht als
auktorialer Erzähler eingreift, um äußere
Lebensumstände zu erklären.
Doch nicht nur der historische Roman braucht die Recherche.
Die besten Krimis leben davon, dass die Autoren wissen,
wovon sie berichten: sie kennen die Städte, in
denen ihre Geschichte spielt, in- und auswendig, haben
sich durch Bars getrunken, mit Menschen geplaudert,
den Flair einer Stadt in sich aufgesogen, wissen um
die Lebensweise der Menschen, die Struktur gewisser
Gangs und krimineller Organisationen, als wären
sie selbst Mitglied und sie kennen sich selbstverständlich
mit Giften und anderen Mordwerkzeugen so gut aus,
dass es gefährlich werden könnte, sich mit
ihnen anzulegen.
Dies
alles erfordert enormen Zeitaufwand, doch dieser lohnt
sich allemal. Wer vom Lektor der offensichtlich mangelnden
Recherche überführt wird, hat keine Chance
auf einen Vertrag. Doch wie kommt Autor nun an die
Informationen?
Das
globale Dorf, das Internet ist hier zu einer Goldgrube
mutiert. Nie zuvor war es einfacher, schnell an Informationen
zu gelangen – und nie zuvor war es unsicherer, dass
die Informationen auch korrekt sind. Infos aus dem
Netz sollten immer auf ihre Quelle überprüft
werden – nur so ist gesichert, dass man keinem Humbug
aufsitzt. Eine der besten Suchmaschinen im Netz dürfte
www.google.com sein – wer mit dieser Suchmaschine
nicht fündig wird, braucht andere erst gar nicht
mehr zu bemühen - oder hat das falsche Stichwort
eingegeben. Hier ist manchmal Kreativität gefragt
– doch wenn wir Autoren diese nicht besitzen, wer
dann? (Das Stichwort „Serienmörder“ allein gibt
zum Beispiele zu viele Antworten heraus, also muss
man spezialisieren, was gesucht wird. Zum Beispiel:
Serienmörder Namen Tat Opfer etc.)
Die
Alternative zum Netz ist die Bibliothek. Wer über
die Bibliothekscomputer nicht fündig wird, kann
sich hier direkt an die Angestellten wenden – meist
sehr zuverlässige, kompetente Ansprechpartner,
die gerne helfen.
Doch was tun, wenn man nach einem Detail der Geschichte
sucht, das sich sowohl im Netz als auch in Bibliotheken
beharrlich versteckt und nicht auftun läßt?
Die Erfahrung hat gezeigt: Universitätsprofessoren
sind sehr gern behilflich. Adressen finden sich zuhauf
– schon wieder – im Netz, der Anruf bei den betreffenden
Profis auf ihrem Gebiet schafft dann Aufklärung
in den meisten Detailfragen. Wer sich als Autor vorstellt,
bekommt immer und vor allem gerne fundierte Antworten.
Zur Recherche von Krimis sei noch zu sagen: auch Polizei-
und Kriminalbeamte, Polizeipsychologen und Angestellte
der Gerichte, etc. stellen ihr Fachwissen sehr gerne
zur Verfügung, sobald man sich als Autor ausgewiesen
hat. Besuche im Kommissariat sind nicht ungewöhnlich
und von großer Bedeutung, wenn man ein Gefühl
für Polizeiarbeit entwickeln möchte. Selbst
Gefängnistore stehen Autoren offen – immer eine
höfliche Anfrage vorausgesetzt.
Zugegebenermaßen
ist die Recherche sehr zeitaufwendig, doch im Laufe
der Jahre sammelt man sich einen Karteikasten mit
Adressen an, auf die man sehr schnell und effektiv
zurückgreifen kann, wenn weder Internet noch
Bibliothek Früchte tragen wollen. Eine gute Adresse
für Spezialfragen gibt es im Netz unter: www.wissenistmacht.de
– hier stellen Experten ihr Geschick im Auffinden
von Daten im Internet zur Verfügung, werden sie
hier nicht fündig, suchen sie in Büchern
weiter – und das alles kostenlos und ohne Verpflichtung.
Wissensportale sind momentan ohnehin der neue Boom
im Netz – zu erwähnen wäre hier zum Beispiel
noch www.werweisswas.de – auch dieses Portal bietet
die Auskünfte kostenlos an, aber der Fragende
muss sich selbst als Experte zur Verfügung stellen.
Unsere
amerikanischen Kollegen haben es auch hier wieder
einmal besser. In den USA gibt es tatsächlich
den Beruf des „Buchrechercheurs“ – mit der Folge,
dass Ken Follett beispielsweise einen Auftrag erteilt
und nach wenigen Wochen eine große Kiste mit
sortierten Unterlagen zu allen Fragen, Spezialgebieten,
etc. erhält und nach Lust und Laune darin wühlen
kann. Wir beneiden ihn alle darum.
Der Neid gilt auch Umberto Eco – der nutzt seine Stelle
als Universitätsprofessor, um seine Studenten
auf die Jagd nach Unterlagen zu schicken – mit großem
Erfolg, wie wir wissen ....
Doch es hilft kein Jammern – auch wenn wir deutschsprachigen
Autoren noch selbst zum Detektiv werden müssen
– die Recherche ist notwendig für das Gelingen
eines guten Buches. Manche Agenturen bieten bereits
Recherchedienste an, doch diese sind zum größten
Teil unerschwinglich. (DM 2000,-- pro Monat und aufwärts.)
Da stürzen wir uns doch lieber selbst in die
Datenflut, nicht wahr?